Lindauer Nobelpreisträgertagung: Sarah Fritsche präsentiert Forschung zu Gehirnentwicklung
Mehr als 600 junge Forschende und etwa 70 Nobelpreisträger*innen aus der ganzen Welt kamen bei der 75. Lindauer Nobelpreisträgertagung Anfang Juli dieses Jahres zusammen. Mit dem Motto ›75 Years and Beyond – Science Transcending Borders‹ lag der Fokus dieses Jahr auf den interdisziplinären wissenschaftlichen Themen.
Sarah Fritsche, Masterstudentin in der Abteilung von Prof. Kristian Franze (Max-Planck-Zentrum für Physik und Medizin) und der Forschungsgruppe von Prof. Leonhard Möckl (Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts), präsentierte dort ihre Arbeit. Sie stellte die bisherigen Ergebnisse bei den ›Next Gen Science Sessions‹ vor.
Zuckerbasierte Veränderungen von Proteinen und ihr Einfluss auf Gehirnfunktionen
In ihrer Arbeit geht Fritsche der Frage auf den Grund, warum manche Gehirne Fehlbildungen entwickeln, die Krankheiten wie medikamentenresistente Epilepsie hervorrufen können – während sich andere gesund entwickeln. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass es einen Zusammenhang geben könnte zwischen zuckerbasierten Veränderungen von Proteinen, der Steifheit des Gehirns und dessen Funktionen. Diese Verknüpfung zu erforschen, haben sich Sarah Fritsche und Sebastián Vásquez Sepúlveda, Doktorand in der Abteilung von Kristian Franze, zur Aufgabe gemacht.
Die Abteilung untersucht, wie sich mechanische Faktoren, also zum Beispiel lokale Zell- und Gewebenachgiebigkeit, auf die Entwicklung von Gehirnerkrankungen auswirken. Bei der Visualisierung der Zuckerstrukturen im Gehirn kommt dann die Forschungsgruppe von Leonhard Möckl ins Spiel: Diese beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Glykokalyx, einer komplexen Zuckerstruktur, die sich auf der Oberfläche jeder Zelle befindet. Die Glykokalyx ist der erste Interaktionspartner für die zelluläre Umgebung, zum Beispiel Hormone, Krankheitserreger oder Nährstoffe. Ihre Zusammensetzung ist für jeden Zelltyp einzigartig.
Einzigartiger Austausch zwischen Nobelpreisträger*innen und wissenschaftlichem Nachwuchs
„Ich habe es wirklich genossen, mit anderen jungen Forschenden und Nobelpreisträgern zu sprechen. Was mich am meisten beeindruckt hat, ist, wie viel Spaß die Arbeit selbst den erfahrensten Wissenschaftlern macht“, sagt Sarah Fritsche über die Tage in Lindau. Die Tagung fand vom 28. Juni bis zum 3. Juli 2026 statt.
Über die Tagung
Die Lindauer Nobelpreisträgertagungen – gegründet 1951 – bieten ein weltweit anerkanntes Forum für den Austausch zwischen Nobelpreisträger*innen und Nachwuchswissenschaftler*innen. Sie inspirieren wissenschaftliche Generationen und bauen nachhaltige Netzwerke junger Wissenschaftler*innen auf der ganzen Welt auf.
Die ursprüngliche Idee zu den Treffen geht auf die beiden Lindauer Ärzte Dr. Franz Karl Hein und Prof. Dr. Gustav Wilhelm Parade sowie auf Graf Lennart Bernadotte af Wisborg zurück. Sie erkannten sehr früh die Bedeutung der Treffen für die Versöhnung der Völker im Nachkriegs-Europa und bauten sie systematisch zu einem internationalen Forum für den Wissensaustausch zwischen Nationen, Kulturen und Disziplinen aus.